

Interview mit Brigit Wehrli, Direktorin Stadtentwicklung Zürich.
Brigit Wehrli, wie sieht die optimale Zusammenarbeit der Gemeinden im Metropolitanraum Zürich aus?
Es gibt hier sicher noch Verbesserungspotenzial. Die Organisation des Metropolitanraums ist ja noch jung ist und damit auch noch gestaltbar. Ziel ist es natürlich, dass wirklich alle Städte und Gemeinden im Metropolitanraum Zürich Mitglieder werden. Die Gemeinden sollten sich untereinander regional besser organisieren, dann hätten sie mehr Gewicht in der Konferenz und könnten sich die Arbeit teilen.
Was ist die Rolle der Gemeinden im Metropolitanraum Zürich?
Die Rolle der Gemeinden ist essentiell, da sie die Basis des Metropolitanraums sind – sie bilden sozusagen die Gesellschaft ab. Deshalb müssen die Projekte des Vereins auch auf der Ebene der Gemeinden spürbar werden und die regionalen Gemeindegruppen müssen sich einbringen können.
Wieviel Arbeit soll man den Gemeinden zumuten, vor allem den kleineren Gemeinden?
Es ist klar, dass man mit einem nebenberuflichen Gemeindepräsidentenamt nur beschränkt Zeit für zusätzliche Aufgaben auf der metropolitanen Ebene hat. Doch um ehrlich zu sein: Der Verein mit zwei Konferenzen jährlich braucht wenig Zeit. Dafür könnte man sich in Falle von regionalen Zusammenschlüssen vertreten lassen. Die Projektarbeit sowie das Studium von Unterlagen kann man auf die Themen beschränken, welche die Gemeinde betreffen. Dann aber lohnt sich der Einsatz – vielleicht sogar noch mehr als die eine oder andere Sitzung im Rahmen der täglichen Gemeindearbeit.
Die beschränkten Ressourcen sind ein Dauerthema. Die häufigere Zusammenkunft der Städte-/Gemeindekammer wurde nicht von allen Mitgliedern begrüsst. Gibt es eine Lösung?
Die Lösung muss jeder und jede für sich selber finden. Häufigere Zusammenkünfte der Städte-/Gemeindekammer bieten im Gegenzug eine verstärkte Mitsprache. Dies macht für diejenigen Sinn, die darin einen Nutzen für ihre Region oder ihre Gemeinde sehen. Bis jetzt schienen die Projekte vielleicht noch etwas abstrakt, aber sie werden in der Umsetzung immer konkreter. So ist zum Beispiel jede Region vom Konzept «Parklandschaften» betroffen. Auch das Projekt «Green Region» spricht jede Gemeinde an.
Konnte eine Antwort gefunden werden auf die Frage, wie die Gemeinden aktiver in Entscheidungsprozesse der Metropolitankonferenz eingebunden werden können?
Zuerst muss festgehalten werden, dass die kommunale Ebene im Metrorat gleichwertig eingebunden ist wie die Kantone. Es sitzen immerhin acht Vertreterinnen und Vertreter von Städten bzw. kleineren Gemeinden im Metrorat. Neu sollen die Mitglieder des Vereins vermehrt eigene Projektideen vorschlagen können. Somit können sich auch die Mitgliedsgemeinden vermehrt aktiv einbringen. Aber die Initiative dazu muss von ihnen ausgehen.
Wo sehen Sie das Potential des Projekts «Green Region» für die Gemeinden?
Ein Ziel ist es, dass möglichst viele Städte und Gemeinden im Metroraum zu Energiestädten werden. In Zusammenarbeit mit dem Verein Energiestadt sollen sie dabei unterstützt werden. Zudem ist geplant, die Beratung von KMUs nach dem Prinzip des Stadtzürcher Ökokompasses auch auf andere Gebiete des Metroraums auszuweiten.
Sie waren von Anfang an beim Aufbau der Metropolitankonferenz dabei. Nun werden Sie demnächst das Amt als Direktorin der Stadtentwicklung Zürich abgeben. Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Metropolitanraums Zürich?
Ich wünsche mir, dass die positive Dynamik, die ich bei der Entstehung der Metrokonferenz und bei der Vereinsgründung erlebt habe, bestehen bleibt und dass möglichst viele der heute bearbeiteten Projekte auch tatsächlich umgesetzt werden. Dann wird sich das heute für viele noch etwas abgehoben wirkende Konstrukt «Metropolitanraum Zürich» mit Inhalt füllen und auch die Bevölkerung wird etwas davon spüren.
Interview: Julia Weber
| Impressum | aktualisiert: 21.12.2011, 17:48 |