

Rahel Marti ist Redaktorin bei der Zeitschrift Hochparterre und begleitete die Testplanungen für die Metrobilder. Sie gibt Auskunft über die bisherigen Erkenntnisse und den Wert der Bilder für die künftige Raumplanung im Metropolitanraum Zürich.
Rahel Marti, hat sich die Vorgehensweise der Testplanung und die Gestaltung von Bildern für die Raumplanung im Metropolitanraum Zürich als sinnvoll erwiesen?
Das kann ich nicht abschliessend beurteilen, denn keines der Bilder ist fertig, der Prozess läuft weiter. Nach drei Workshops ist aber die Testplanung abgeschlossen. Und diese war, meine ich sagen zu dürfen, für alle Beteiligten ein lohnendes, weil lehrreiches Verfahren.
Sie waren im gesamten Prozess involviert. Was war Ihr persönliches Highlight?
Ich habe mich auf jeden der drei Workshoptage gefreut, weil die Thematik spannend war und die Gruppe konstruktiv zusammengearbeitet hat. Die grosse Errungenschaft ist für mich aber der Metropolitanverein selbst: Dass sich acht Kantone zusammensetzen und gemeinsame Projekte in Auftrag geben, ist bisher einmalig in der Schweiz.
Was zeichnete die Zusammenarbeit mit den Planungsteams aus?
Erstens haben sie die offene Arbeitsweise, die eine Testplanung mit sich bringt, von Anfang an mitgetragen und genutzt. Inhaltlich ist die Breite der drei Entwürfe bemerkenswert: Zwei arbeiten daran fortzuschreiben, was da ist, einer wagt den Bruch mit dem Bisherigen. Drei unterschiedliche Zugänge, die es ermöglichen, dass man sich differenziert mit dem Wesen und der Zukunft des Metropolitanraums auseinandersetzen kann.
Was war Ihr persönlicher Wissenszuwachs?
Ich dachte, dass ich den Raum einigermassen kenne – aber die Vielfalt an räumlichen und an standortspezifischen Profilen, die die Teams herausgearbeitet haben, war überraschend.
Geben Sie bitte Ihr Urteil zu den Leistungen der einzelnen Bilder im Quervergleich ab.
Das Bild «Vielfalt kultivieren», eine morphologische Lesung, zeigt das Gebiet als äusserst vielfältigen Lebensraum, wie ihn bisher wohl kaum jemand gesehen hat. Das Bild «Standortmosaik» ist eine Antwort auf die Frage, wo die bis zu 400’000 prognostizierten zusätzlichen Einwohnerinnen und Einwohner leben könnten. Es zeigt die Wachstumskapazitäten der Teilregionen und erarbeitet für sie spezifische und einprägsame Entwicklungsstrategien. Und schliesslich wagt das Bild «Metrogartenstadt» es, zwei Stadt- und Planungsmodelle des letzten Jahrhunderts im heutigen Metropolitanraum neu zu denken. Es regt an zur Diskussion, wie ökologisch nachhaltig der gesamte Raum werden könnte, bis hin zur Selbstversorgung mit Obst, Gemüse und erneuerbaren Energien – ein radikaler Vorschlag.
Welches ist Ihr Favorit?
Ich habe keinen, noch keinen, weil die Bilder noch nicht fertig sind. Und die Testplanung wollte ja nicht das beste Bild küren, sondern sollte möglichst viele Ideen ergeben. Es geht gerade um die Unterschiedlichkeit der Diskussionsansätze.
Wie können die Resultate aus den Testplanungen in Zukunft in die Entwicklung des Metropolitanraums einfliessen?
Wenn wir an den drei Bildern weiterarbeiten, können daraus Leitbilder für die räumliche Entwicklung werden, es kann ein gemeinsames Raumkonzept des Vereins entstehen, vielleicht dereinst sogar ein gemeinsamer Richtplan.
Was hält für Sie persönlich den Metroraum zusammen?
Alle, die sich dafür engagieren: die neue Präsidentin Corine Mauch, die Vorstandsmitglieder, aber auch alle Gemeindevertreterinnen, die regelmässig zu den Metrokonferenzen kommen. Ein Verein lebt dank der Aktivmitglieder, das ist auch hier nicht anders.
Die Ergebnisse wurden an der Metropolitankonferenz anfangs Mai vorgestellt. Wie ist nun das weitere Vorgehen?
Die Arbeitsgruppe Lebensraum diskutiert die drei Bilder im Juni an einem weiteren Workshop und entwirft dann das Vorgehen – klar ist, dass sich auch alle Mitglieder zu den Bildern äussern können sollen, dass also eine Art von Vernehmlassung folgen wird.
Interview: Julia Weber
| Impressum | aktualisiert: 21.12.2011, 17:48 |