Fünf Fragen an Silvia Thalmann-Gut und Peter Neukomm

Silvia Thalmann-Gut ist Vorsteherin der Volkswirtschaftsdirektion und seit Januar 2019 Regierungsrätin des Kantons Zug. Peter Neukomm vertritt die Schaffhauser Bevölkerung seit 2013 als Mitglied der SP-Fraktion im Kantonsrat und ist seit 2015 Stadtpräsident von Schaffhausen.

 

1. Welche drei Wörter beschreiben Sie am besten?

S. Thalmann-Gut: interessiert, unkompliziert, vorwärtsorientiert
P. Neukomm: optimistisch, kontaktfreudig, engagiert

2. Frau Thalmann-Gut, Sie waren Präsidentin der Bildungskommission. Inwieweit prägte dies Ihre Funktion als Regierungsrätin?
S. Thalmann-Gut: Im Kanton Zug ist die Berufsbildung bei der Volkswirtschaftsdirektion und nicht, wie in den meisten anderen Kantonen, bei der Bildungsdirektion angesiedelt. Die Politik hat sich für diese Organisationsform entschieden, um eine grösstmögliche Nähe zur Wirtschaft zu gewährleisten. Die Berufsbildung umfasst neben dem Amt für Berufsbildung und den Brückenangeboten auch das kaufmännische, das gewerbliche sowie das landwirtschaftliche Bildungszentrum. Dank meiner vormaligen Arbeit in der kantonsrätlichen Bildungskommission bin ich mit den Themen des gesamten Bildungsbereichs bestens vertraut.

2. Herr Neukomm, seit 2013 sind Sie Mitglied der Justizkommission und waren lange als Staatsanwalt und Untersuchungsrichter tätig. Inwieweit prägt dies Ihre Funktion als Stadtpräsidenten?
P. Neukomm: Über 20 Jahre Justiz und Strafverfolgung ist eine gute Lebensschulung. Man erlangt Menschenkenntnisse und ist im Umgang mit ganz unterschiedlichen Leute gewohnt. Die Fähigkeit, interdisziplinär zusammenzuarbeiten sowie die Kenntnisse von Verfahrensabläufen und Amtsstellen resp. Behörden helfen mir genauso, wie meine juristischen Vorkenntnisse, da ich unter anderem der Stadtkanzlei mit dem Rechtsdienst vorstehe und viele politische Geschäfte eine juristische Dimension haben.  

3. Frau Thalmann-Gut, wie wollen Sie sich als Regierungsrätin einbringen? Wofür setzen Sie sich speziell ein?
S. Thalmann-Gut: Die Basis unseres Wohlstands ist eine florierende Wirtschaft. Die Politik hat die Tendenz, unternehmerisches Handeln mit Regeln und Vorschriften zu beschneiden. In den nächsten zehn Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge das Pensionsalter erreichen. Der Mangel an gut ausgebilde-ten Personen und Fachkräften wird sich damit akzentuieren. Auf diese Verände-rung müssen wir reagieren, zum Beispiel mit Bildungsangeboten. Und damit mehr Frauen im Arbeitsleben verbleiben, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu verbessern. Dafür setze ich mich ein.

3. Herr Neukomm, Sie rufen dazu auf, in der städtischen Politik den Fokus wieder mehr auf das Verbindende und weniger auf das Trennende zu legen. Wie soll dies konkret umgesetzt werden?
P. Neukomm: Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich versuche ein konstruktives Zusammenarbeiten vorzuleben. Respekt im Umgang mit Andersdenkenden und Sachlichkeit in Ton und Inhalt geraten zurzeit leider immer wieder unter die Räder. Wichtig ist zudem, dass auch die Medien dies erkennen.

4. Wo sehen Sie Schwerpunkte in der zukünftigen Entwicklung des Metropolitanraums Zürich?
S. Thalmann-Gut: Das Thema Mobilität wird Gemeinden, Städte und Kantone auch in Zukunft fordern. Der Individualverkehr nimmt weiter zu, die öffentlichen Verkehrsmittel verzeichnen zunehmende Passagierzahlen und neue Verkehrsmittel erobern die schon heute begrenzten Verkehrsflächen. Ein weiterer Schwerpunkt im Metropolitanraum liegt bei der Digitalisierung. Die Umstellung von Arbeitsprozessen mit Hilfe von neuen Technologien bringt Veränderungen, auf die wir Antworten geben wollen.

P. Neukomm: Der Metroraum ZH steht in einer anspruchsvollen Konkurrenz zu anderen Regionen. Um die Attraktivität als Wohn- und Wirtschaftsstandort zu er-halten und weiter zu entwickeln, braucht es intelligente Antworten auf Herausforderungen und Entwicklungen, die immer schneller ablaufen. Zu denken ist hier beispielsweise an die Digitalisierung, den Klimawandel, Mobilität/Verkehr, Migration, Demografie etc. Die Zeiten sind vorbei, in denen sich das im Rahmen von bestehenden Staatskörperschaften allein bewältigen liesse. Wir müssen in neu-en Dimensionen und Räumen denken, wie demjenigen Metroregion ZH. Zudem brauchen wir den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit über Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinaus für zukunftsfähige Lösungen.

5. Frau Thalmann-Gut, als Zuger Regierungsrätin fördern Sie den Dialog zwischen Wirtschaft und Politik. Wie profitiert der Metropolitanraum Zürich von Ihrer Erfahrung?
S. Thalmann-Gut: Ich pflege einen regen Austausch mit Unternehmerinnen und Unternehmern. Die Sichtweise der Wirtschaft auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen interessiert mich. In diesem Dialog entstehen oft die besten Ideen. In der Metropolitankonferenz werde ich meine Erfahrung in zweifacher Form einbringen: Einerseits indem ich Themen anstosse und andererseits indem ich als Netzwerkerin Kontakte herstelle.


5. Herr Neukomm, als Schaffhauser Stadtpräsident setzen Sie sich für hohe Lebensqualität, zeitgemässe Infrastrukturen sowie Bildung und Arbeitsplätze ein. Wie profitiert der Metropolitanraum Zürich von Ihrer Erfahrung?
P. Neukomm: Schaffhausen ist nach Zürich, Winterthur, Luzern und St. Gallen die grösste Stadt der Metropolitanregion Zürich. Mit den Stimmen der Agglogemeinden des Kantons vertrete ich in der Metrokonferenz eine Bevölkerung von gegen 60'000. In Schaffhausen sind wir es gewohnt, eng mit Partnern zusammenzuar-beiten. Als Kantonshauptstadt an der Landesgrenze und bedeutendes regionales Zentrum erbringt Schaffhausen wichtige Leistungen weit über das Stadt- und Kantonsgebiet hinaus und verfügt über reiche Erfahrungen, auch in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, die wir gerne einbringen.

 

Geraldine Neeser, Mai 2019

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