Fünf Fragen an Patrick Bonzanigo, Programmleiter Master of Advanced Studies (MAS) Raumplanung ETH Zürich

 

Patrick Bonzanigo ist Programmleiter vom Master of Advanced Studies (MAS) in Raumplanung an der ETH Zürich. Das MAS-Programm in Raumplanung an der ETH Zürich ist ein zweijähriges, berufsbegleitendes Weiterbildungsstudium, das sich an berufserfahrene Fachleute mit abgeschlossener Hochschulausbildung in verschiedenen Fachgebieten mit Bezug zur Raumplanung richtet. Für ein Studienprojekt haben sich die Studierenden mit der räumlichen Entwicklung der Metropolitanregion Zürich befasst.

 

1. Auf welche Art und Weise hat sich der MAS mit dem Schwerpunktthema Metroraum befasst?
P.B. Im Mittelpunkt des Studiums stehen zwei interdisziplinäre Studienprojekte, mit denen Fähigkeiten zur Planung von der Problemanalyse bis hin zum Entwurf von Lösungsstrategien entwickelt werden.
Für das Studienprojekt im zweiten Studienjahr des Kurses 2017/19 haben sich die Studierenden über die Dauer von zwei Semestern mit zentralen Fragestellungen zur räumlichen Entwicklung der Metropolitanregion Zürich befasst und Raumentwicklungsstrategien für einen Zeithorizont bis ins Jahr 2050 erarbeitet.

2. Welche Vorgaben hatten die Studierenden und wie sind sie vorgegangen?
P.B. Beim Studienprojekt „Metroraum Zürich 2050“ handelte es sich um eine Aufgabe mit hohem Komplexitätsgrad, in einem Raum, in dem planerisch sehr viel Arbeit geleistet wurde und wird und der sich weiterhin rasant entwickelt. Als grösster funktionaler Raum und als Entwicklungsmotor der Schweiz ist die Metropolitanregion Zürich mit anderen europäischen Metropolitanregionen verbunden und steht mit diesen in einem Standortwettbewerb. Der Erfolg dieses Raumes, der auch Konflikte mit sich bringt, ist deshalb in regionaler, überregionaler und nationaler Hinsicht von eminenter Bedeutung.
Die Aufgabenstellung des Studienprojekts wurde aufgrund des langfristigen Zeithorizonts bewusst offen formuliert. Die Arbeiten sollten zentrale planerische Themen, Handlungsoptionen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit jenseits institutioneller Grenzen aufzeigen. Die Studierenden setzten thematische und räumliche Schwerpunkte. Die Projektbearbeitung erfolgte in vier multidisziplinär besetzten Gruppen von Studierenden, die von der Professur für Raumentwicklung der ETH Zürich und renommierten ExpertInnen aus der Praxis begleitet wurden.

3. Welche Themen decken die Arbeiten ab?
P.B. Die Gruppenarbeiten mit verschiedenen thematischen und räumlichen Schwerpunkten behandeln unterschiedliche Fragestellungen wie ...

… die Bedeutung des Rontals innerhalb des Metroraums mit Blick auf grössere anstehende Infrastrukturprojekte (Zimmerberg Basistunnel II, Durchgangsbahnhof Luzern, Autobahnbypass Luzern) und auf damit verbundene Potentiale für Siedlung sowie für Grün- und Freiräume

… die Wechselwirkungen zwischen Siedlung und Verkehr, Fragen der Lenkung von Wachstum in zentral gelegenen und besser erschlossenen Gemeinden und die Stärkung der regionalen Planungsebene im Seetal

… die grossmasstäbliche Sicherung und Gestaltung sowie die Positivplanung von zusammenhängenden Landschaftsräumen am Beispiel des Talkessels Schwyz

… eine nachhaltige und siedlungsverträgliche Strukturierung des Personenverkehrs auf Strasse und Schienen im Korridor Luzern-Zug-Zürich-Winterthur – von einer auf die gros-sen Zentren ausgerichteten, sternförmigen Struktur hin zu einem polyzentrischen und netzartigeren Gefüge.

4. Was hat das Schwerpunktthema Metroraum im Rahmen des MAS gebracht? Haben die Abschlussarbeiten Lösungen in der Raumplanung erbracht?
P.B. Im Rahmen des MAS stellte das Schwerpunktthema Metroraum eine Gelegenheit dar, sich in die raumrelevanten Fragestellungen und in das komplexe Planungsgeschehen eines sehr vitalen und für die Schweiz zentralen Raumes zu vertiefen. Dabei konnten die Studierenden Überlegungen zu langfristigen Strategien für eine künftige Raumentwicklung über administrative Grenzen hinweg anstellen. Die Ergebnisse der Projekte können Impulse für weitere Arbeiten in bereits erbprobten Zusammenarbeitsformen im Metroraum Zürich liefern.

5. Welche Punkte können für die Politik von Interesse sein?
P.B. Bei räumlichen Entwicklungen, die gemeindeübergreifend, regional und überregional sind, ist es wichtig, dass sich dies auch auf übergeordneter Ebene auswirkt und möglichst viele relevanten Akteure einbezogen werden können. Daher sind in Metropolitanräumen grenzüberschreitende Kooperationen und Initiativen zu gemeinsam erkannten Problemen unter Einbezug der betroffenen Kantone, Regionen und Gemeinden relevant. Ausgehend von vorhandenen Begabungen einzelner Teilräume kann die Raumplanung mithelfen, Chancen zu erkennen und rechtzeitig spezifische Vorkehrungen einzuleiten, um gemeinsame Ziele im Gesamtraum zu erreichen.

 
Studienprojekt „Metroraum Zürich 2050“:

Studienleitung:
Prof. em. Dr. Bernd Scholl | Professor emeritus für Raumentwicklung | ETHZ
Dr. Anita Grams | Programmleiterin MAS in Raumplanung 2017/19

Experten:
Frank Argast | Leiter Planung Amt für Städtebau Zürich
Peter Noser | ehem. stv. Direktor Amt für Städtebau Zürich
Dr. Daniel Kolb | Kantonsplaner Kanton Aargau
Roland Tremp | ehem. Stadtrat Chur
Wilhelm Natrup | Kantonsplaner Kanton Zürich

Weiterführende Informationen zu den Studienprojekten finden Sie hier.

 

Geraldine Neeser, Oktober 2019

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