Zuwanderung: Wie gehen wir mit den Herausforderungen um?

Lukas Guyer, Projektleiter «Immigration und Bevölkerungswachstum»

Mit dem Projekt «Immigration und Bevölkerungswachstum» untersucht die Metropolitankonferenz die Auswirkungen der Zuwanderung und des daraus resultierenden Bevölkerungswachstums auf Wirtschaft/Arbeitsmarkt, Gesellschaft/Integration und Raum/Siedlung und will ihren Mitgliedern konkrete Handlungsempfehlungen dazu abgeben.

Voraussichtlich Ende Mai wird der Abschlussbericht der Metropolitankonferenz vorgelegt und auf der Website aufgeschaltet. Projektleiter Lukas Guyer gibt in einem Interview Auskunft über den Zwischenstand.

Lukas Guyer, worauf liegt der Fokus beim Projekt «Immigration und Bevölkerungswachstum»?
In jüngerer Zeit sind verschiedene Studien und Berichte zur Zuwanderung publiziert worden. Ich denke dabei zum Beispiel an den von der ZKB herausgegebenen Bericht «Immigration 2030», den Bericht zur schweizerischen Migrationspolitik 2030 des Runden Tischs Migration von 2011 oder auch den Bericht des Bundesrates über die Personenfreizügigkeit und die Zuwanderung in die Schweiz vom letzten Jahr. All diese Berichte greifen den Trend hin zur neuen Zuwanderung auf und befassen sich mit dessen Auswirkungen auf Themen wie die räumliche Entwicklung, die Wirtschaftsleistung oder auch die Sozialwerke. Vergleichsweise wenig behandelt ist die Frage, wie mit dem Wachstum künftig umzugehen ist. Deshalb liegt der Fokus unseres Projekts auf den im Zusammenhang mit der neuen Zuwanderung resultierenden Herausforderungen im Sinne von Chancen und Risiken und auf möglichen Massnahmen zum Umgang mit den Herausforderungen.

Der Massnahmenkatalog ist auch eine Chance für die Metropolitankonferenz Zürich respektive für die Mitgliederkantone, Städte und Gemeinden, sich inskünftig verstärkt als «Massnahmen-Think-Tank» zu etablieren. Dabei erweist sich die Ansiedlung des Projekts auf der Ebene des Metropolitanraums als richtig.  Die Zuwanderung hält sich nicht an Kantons- und Gemeindegrenzen. Mit unterschiedlicher Intensität ist der gesamte funktionale Raum betroffen.  

Wie ist das Projektteam vorgegangen?
In einem ersten Schritt erfolgte die Bildung von drei Szenarien zum Ausmass und zur räumlichen Verteilung des zuwanderungsgeprägten Bevölkerungswachstums sowie der sozio-demografischen Zusammensetzung der Bevölkerung. Zeithorizont der Szenarien ist 2030. Gestützt auf die Szenarien haben Fachexpertinnen und Fachexperten die Auswirkungen der Immigration auf die drei Bereiche Wirtschaft/Arbeitsmarkt, Gesellschaft/Integration sowie Raum/Siedlung analysiert, die Herausforderungen benannt und mögliche Massnahmen ausgearbeitet.

Wir haben zu den Szenarien und den drei Bereichen Teilprojekte aufgegleist. Im Rahmen von Workshops wurden die Expertinnen und Experten aus den Verwaltungen der Kantone, Städte und Gemeinden des Metroraums, aber auch aus der Wissenschaft und vom Bund eingeladen. Rund 50 Personen mit starkem Praxisbezug zur Zuwanderungsthematik haben sich so im Projekt engagiert. Daneben stütze man sich auch auf die vorhandenen Studien und Berichte zur Zuwanderung.

Zur Erreichung der Projektziele und inhaltlichen Koordination wurde ein neun-köpfiges Kernteam gebildet. Dieses setzt sich aus den  Projekt- und Teilprojektleitungen und weiteren Personen mehrerer Kantone und Städte zusammen und deckt alle fachlichen Aspekte ab.

Ist der Metropolitanraum Zürich von der Zuwanderung mehr betroffen als andere Ballungsräume?
Der Metropolitanraum Zürich ist im Vergleich zur übrigen Schweiz stärker von der Zuwanderung betroffen und er profitiert mehr von ihr. Die Zuwanderungsraten sind allerdings vergleichbar mit denen anderer Metropolitanräume der Schweiz (Basel und Genf-Lausanne). Im Unterschied zum Arc lémanique oder der BaselArea reicht der Metropolitanraum Zürich geografisch gesehen deutlich weniger stark ins angrenzende Ausland hinein. Auch spielen zum Beispiel die Grenzgänger hier eine weniger bedeutungsvolle Rolle.

Gibt es wesentliche migrationstreibende Faktoren?
Der weitaus grösste Anteil der heutigen Zuwanderung ist bedingt durch den hiesigen Mangel an gut bis sehr gut qualifizierten Fachkräften. Der wirtschaftliche Erfolg der Schweiz (Arbeitsnachfrage der Wirtschaft, attraktive Arbeitsbedingungen und Löhne), die demografische Situation bei uns (Alterung, tiefe Geburtenraten) und die regulatorischen Rahmenbedingungen sind dabei wesentliche migrationstreibende Faktoren.

Welches sind die nächsten Projektschritte?
Aktuell sind wir vom Kernteam an den Feinabstimmungen der Massnahmen und der Aufbereitung der Projektergebnisse für den Bericht. Wir rechnen damit, dass Ende Mai ein Bericht über die Projektergebnisse zuhanden der Metropolitankonferenz vorgelegt werden kann.

Zusammensetzung Kernteam
Person Funktion Kt./Stadt Bemerkung
Aniela Wirz Leiterin Volkswirtschaft, Amt für Wirtschaft und Arbeit Kanton Zürich Federführung Teilprojekt Wirtschaft / Arbeitsmark
Brigit Wehrli ehemalige Direktorin Stadtentwicklung Zürich Stadt Zürich Fachspezialistin
Daniel Brühlmeier Chef Koordination Aussenbeziehungen Kanton Zürich Verbindung OPA
Lukas Guyer stv. Chef Regierungscontrolling Kanton Zürich Projektleitung
Markus Kutter Leiter Fachstelle für Integration Stadt Frauenfeld Federführung Teilprojekt Gesellschaft / Integration
Michael Umbricht Leiter Strategie und Controlling Kanton Aargau Projektunterstützung
Peter Moser stv. Chef Statistisches Amt Kanton Zürich Federführung Teilprojekt Szenarien
Wilhelm Natrup Kantonsplaner, Chef Amt für Raumentwicklung Kanton Zürich Federführung Teilprojekt Raum / Siedlung
Sacha Peter stv. Chef Amt für Raumentwicklung    

 

Interview: Julia Weber