Marketing für Lesen, Schreiben und Rechnen

Trotz regulärer Schulbildung können rund 800'000 Personen in der Schweiz nicht gut lesen und schreiben, rund 400'000 Personen haben Mühe, einfache Rechenaufgaben zu lösen. Die Metropolitankonferenz Zürich beteiligt sich an einem Projekt, das mit Marketingmassnahmen mehr Betroffene zu einem Weiterbildungskurs motivieren und damit die Grundkompetenzen fördern will.

Auf dem Handy die nächste Busverbindung raussuchen, im Geschäft den Rabatt ausrechnen oder der Kollegin im Büro rasch eine Notiz schreiben – für viele Menschen in der Schweiz ist dies keine Selbstverständlichkeit. Wenn Menschen trotz langjährigem Schulbesuch nicht über die Lese-, Schreib-, Mathe- oder IKT-Kompetenzen verfügen, die im privaten und beruflichen Alltag vorausgesetzt werden, spricht man von mangelnden Grundkompetenzen.

Neben den Einschränkungen für die Betroffenen verursachen mangelnde Grundkompetenzen auch hohe volkswirtschaftliche Kosten. In der Schweiz werden sie auf rund 1.1 Mrd. Franken jährlich geschätzt. Gerade angesichts des Fachkräftemangels bilden die Betroffenen ein Potenzial, das es zu fördern gilt. Voraussetzung hierfür sind passende Lese-, Schreiben- und Rechenkurse für Erwachsene. Diese gibt es auch schon in grosser Anzahl – nur werden sie viel zu selten genutzt. Pro Jahr geht nicht einmal ein Prozent der Betroffenen seine Defizite an.

Mehr Kursbesuche durch Marketingmassnahmen

Die Gründe für diese Diskrepanz sind vielfältig. Viele Betroffenen schämen sich und verstecken ihre Defizite, andere wissen nicht, dass es Kurse gäbe, und wieder andere haben Strategien entwickelt, um ohne Grundkompetenzen im Alltag zurechtkommen. Um die Bekanntheit der Kurse zu erhöhen und mehr Betroffenen zu einem Kursbesuch zu motivieren, hat die interkantonale Konferenz für Weiterbildung (IKW) zusammen mit dem Dachverband Lesen und Schreiben das Projekt «Marketinginstrumente für die nationale Vermittlung von Grundkompetenzen» initialisiert

Im richtigen Moment präsent sein

Basierend auf einer eingehenden Zielgruppenanalyse wurden eine Marketingstrategie und Marketingmassnahmen entwickelt. Diese reichen von Logo und Claims über Plakate, Flyer, Zeitungs- und Onlineinserate bis hin zu TV- und Radiospots. Sie alle zielen darauf ab, den Betroffenen die Scham zu nehmen und die Lust aufs Lernen zu wecken. Zum Einsatz sollen sie vor allem dann kommen, wenn Menschen aussergewöhnliche Lebensereignisse erleben, etwa die Geburt oder den Schuleintritt eines Kindes, den Verlust des Jobs, den beruflichen Wiedereinstieg oder die Pensionierung. In der Analyse hat sich gezeigt, dass Betroffene in solchen Momenten am ehesten bereit waren, mit einem Grundkompetenz-Kurs einen Neuanfang zu wagen.

Grassroot-Kampagne nach eigenen Bedürfnissen

Die Massnahmen werden bis Ende Jahr ausgearbeitet. Für deren Einsatz wird sodann auf eine Grassroot-Strategie gesetzt: Kantone, Kursanbieter und sogenannte Vermittler (z.B. Arbeitgeber, Lehrer oder Ärzte) können die Instrumente der Kampagne einzeln oder als Paket bestellen und sie individuell und nach eigenen Bedürfnissen nutzen. Hier setzt das Folgeprojekt der Metropolitankonferenz Zürich an. Sie will mit finanzieller Beteiligung des Bundes ausgewählte Marketingmassnahmen im Metropolitanraum Zürich umsetzen, um die Anzahl der Kursbesuche im Bereich Grundkompetenzen zu erhöhen.

Die gesetzliche Grundlage

Auf der Basis des neuen Bundesgesetzes über die Weiterbildung wollen Bund und Kantone ab 2017 die Teilnahme an Weiterbildungsangeboten im Grundkompetenzbereich koordiniert fördern. Die lokale Umsetzung der nationalen Ziele im Weiterbildungsbereich erfolgt  durch die Kantone. Diese werden durch den Bund mittels einer Programmvereinbarung finanziell unterstützt.

Mai 2016