Nachgefragt: Drei Fragen an Jasmina Ritz und Matthias Knuser

Jasmina Ritz, Geschäftsführerin Limmatstadt AG
Jasmina Ritz, Geschäftsführerin Limmatstadt AG

Im Jahr 2017 hat die Metropolitankonferenz Zürich im Rahmen des Kooperationsprogramms mittels zweistufiger, öffentlicher Ausschreibung zur Einreichung von Projekten aufgefordert. Daraus sind vier Projekte hervorgegangen, die die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik fördern.

Zum Themenschwerpunkt «Folgen des Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums» wurde das Projekt «Digitales 3D-Limmatstadtmodell» unter der Leitung von Jasmina Ritz (Limmatstadt AG) und Matthias Knuser (Raumgleiter AG) eingereicht. Das digitale Modell stellt die ganze Region Limmattal von Baden bis Zürich in verschiedenen Entwicklungsstadien dar. Damit werden Veränderungsprozesse und funktionale Beziehungen sichtbar und dank neuer Technologien wie Virtual Reality hautnah erlebbar. Das Modell lässt sich auf weitere Regionen im Metropolitanraum Zürich ausweiten und ist die erste öffentlich zugängliche Plattform für Stadtmodelle.

Matthias Knuser, Managing Partner Raumgleiter AG
Matthias Knuser, Managing Partner Raumgleiter AG

Das Limmattal hat sich als erste Region mit dem digitalen 3D-Limmatstadtmodell präsentiert. Sie haben das Projekt gemeinsam mit der Raumgleiter AG bei der Metropolitankonferenz beantragt. Mit welcher Idee?

J.R. Ein modernes Kommunikationsinstrument zu entwickeln, welches die dynamische Veränderung in der ganzen Region Limmattal auf einen Blick und in einer realistischen Darstellung sichtbar macht – von Arealentwicklungen über die Streckenführung der Limmattalbahn bis zu einzelnen Objekten. Daraus entstanden ist eine öffentliche Plattform, nicht nur für Fachleute, sondern für alle. Sei es, um sich zu informieren, oder um selbständig Projekte hochzuladen.

M.K. Bis heute gab es keine Möglichkeit, sich gesamtheitlich über neue Bauprojekte im Limmattal zu informieren. Diese Lücke wollten wir mit einer Plattform schliessen, die neue Projekte nicht nur in Text abbildet, sondern direkt visuell darstellt. Viele Leute können keine Pläne lesen, gerade komplexe Projekte sind zum Teil schwer kommunizierbar und es können Missverständnisse entstehen. Die grosse Transparenz der 3D-Plattform ermöglicht nun, Projekte verständlich zu machen und auch im Kontext zu verstehen. Und gerade mit der Virtual Reality Anbindung lassen sich Projekte nicht nur anschauen, sondern richtiggehend erleben.

Was bedeutet das «Digitale 3D-Stadtmodell» für eine einzelne Gemeinde ausserhalb vom Limmattal? Welchen Nutzen generiert das Modell für sie?

M.K. Die Plattform kann ab sofort auch ausserhalb des Limmattals von den Gemeinden verwendet werden. Wir als Raumgleiter betreiben dies unter dem Namen ArchScape für den gesamten Metropolitanraum. Jede Gemeinde kann selbstständig Projekte hochladen und so das Stadtmodell vollumfänglich ohne Anfangsinvestition nutzen. Dies machen wir aus der Überzeugung, dass auch kleinere Gemeinden das Potential ausschöpfen können, weil wir gemerkt haben, dass der Bedarf an Kommunikation sehr gross ist, die Mittel aber bis anhin sehr beschränkt. Und die Nutzung ist äusserst vielfältig. Die Projekte können zum Beispiel direkt interaktiv an Gemeindeversammlungen gezeigt und diskutiert werden, an einem Screen im Gemeindehaus aufgeschaltet werden oder dann sogar der Bevölkerung zuhause verfügbar gemacht werden. Aber auch für interne Sitzungen mit Gremien und Planern haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, da direkt alle Aspekte diskutiert werden können.

Inwiefern profitiert die Bevölkerung von einem solchen Tool?

J.R. Bisher musste man sich anhand von Visualisierungen oder technischen Plänen ein Bild von Projekten der Stadtentwicklung machen. Gerade im Fall eines komplexen Vorhabens wie dem Bau der Limmattalbahn bin ich überzeugt, hätte ein 3D-Modell frühzeitig Ängste abbauen und Transparenz schaffen können. Mit dem Limmatstadtmodell kann die Bevölkerung nun bereits vor der Fertigstellung die gesamte Strecke mit der VR-Brille «abfliegen» und sieht dank der fotorealistischen Google-Umgebung, wo ein Stadtboulevard entsteht, wie die Haltestellen aussehen oder wo neue Wohngebiete entstehen. Kurz: Man kann die Zukunft erlebbar machen. Wichtig ist aber auch der Nutzen für Gemeinden, Behörden oder Standortförderer. Für den Dialog mit der Bevölkerung oder Ansiedlungsinteressenten verfügen sie damit über ein vielfältig einsetzbares Instrument. Gleichzeitig kann z.B. eine Baukommission Projektbeurteilungen vornehmen, bevor diese öffentlich gemacht werden.

M.K. Zudem ist der Anspruch des 3D-Stadtmodells, möglichst viele Projekte abzubilden. Dadurch entsteht eine Plattform, die sämtliche Informationen beinhaltet, ohne dass man bei jeder einzelnen Gemeinde die Informationen abholen muss, um sich ein Gesamtbild zu machen. Stattdessen stehen einem alle Auskünfte auf einem zeitgemässen Tool zur Verfügung. Dies wird auch eine grosse Erleichterung für die interessierte Bevölkerung werden.

Informationen und Film finden Sie hier.

 

Geraldine Neeser, September 2019