Kampagne «Gartenjahr 2016 – Raum für Begegnungen»: Ein Rückblick und Ausblick zur Bedeutung siedlungsnaher Freiraumnetze

Die Kampagne «Gartenjahr 2016 – Raum für Begegnungen» setzt sich schweizweit für den Erhalt und die Entwicklung von Freiräumen und Gärten ein und macht auf ihre zentrale Bedeutung für eine qualitätsvolle Innenentwicklung aufmerksam. Christian Leisi, Mitarbeiter beim Amt für Raumentwicklung des Kantons Zürich, das als Partner beim Gartenjahr 2016 mitwirkt, und Leiter des abgeschlossenen Projektes «Siedlungsnahes Freiraumnetz» der Metropolitankonferenz Zürich, geht in diesem Beitrag der Frage nach, welche Bedeutung siedlungsnahe Freiräume als «Raum für Begegnungen» haben.

Bevölkerungswachstum und die steigende Bedeutung siedlungsnaher Freiräume

Das Projekt «Siedlungsnahes Freiraumnetz» der Metropolitankonferenz Zürich wurde im Sommer 2014 abgeschlossen, hat aber seither nicht an Aktualität verloren. Im Gegenteil, denn die Erschliessung von Naherholungsräumen hat auch ausserhalb des Handlungsfeldes «Lebensraum» an Bedeutung gewonnen: Der anhaltende Bevölkerungsanstieg ist eine aktuelle Herausforderung im Handlungsfeld «Gesellschaft» und hat im Kanton Zürich zu einer verstärkten Nachfrage nach Erholungsräumen geführt. Neuste Prognosen gehen von einer Bevölkerungszunahme von 360‘000 Einwohnern bis 2040 aus. Das entspricht einer Zunahme von 24%. Die weitere Siedlungs- und Verkehrsentwicklung und die damit verbundene Flächenbeanspruchung stellen somit eine grosse Herausforderung dar. Sie setzen die Grün- und Freiräume im urbanen Siedlungsraum, insbesondere an den Siedlungsrändern, unter Druck. Gemäss dem kantonalen Richtplan sollen 80% des künftigen Bevölkerungswachstums in den Handlungsräumen Stadtlandschaften und urbanen Wohnlandschaften erfolgen. Dies hat zur Folge, dass die Grün- und Freiflächen im urbanen Siedlungsgebiet sowie siedlungsnahe Freiräume im Zusammenhang mit der zunehmenden Innenentwicklung sogar noch mehr an Bedeutung gewinnen.

Initiativen, Projekte und Kampagnen

GAJ James Batten
Gartenjahr 2016 - James Batten

Das Thema des Erhalts von Landschafts- und Freiräumen wird für die Bevölkerung zunehmend wichtiger. Hinweise darauf sind zum Beispiel die Annahme der Kulturlandinitiative zur Erhaltung der wertvollen Landwirtschaftsflächen und der Flächen mit besonderer ökologischer Bedeutung im Kanton Zürich sowie die Verschärfung des Raumplanungsgesetzes auf eidgenössischer Ebene. Aber auch Projekte und Kampagnen wie das «Gartenjahr 2016» sind Antworten auf die zunehmende Bedeutung siedlungsnaher Freiräume.

Agglomerationspark Limmattal

Das Amt für Raumentwicklung des Kantons Zürich setzt sich im Rahmen verschiedener Projekte für die Grün- und Freiräume im urbanen Siedlungsraum ein. Ein Beispiel ist das kantonsübergreifende Freiraumkonzept Agglomerationspark Limmattal in Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau. Im Rahmen dieses Projekts soll die «Landschaftsspange Hüttikerberg-Niderfeld» als wichtiger siedlungsnaher Erholungsraum gesichert und entwickelt werden. Der Raum soll dabei für die Bevölkerung besser erlebbar gemacht werden – im Einklang mit den bestehenden Nutzungen. Der weitere Entwicklungsprozess erfolgt unter der Leitung der betroffenen Regionen und dem engen Einbezug der Standortgemeinden.

«Gartenjahr 2016 – Raum für Begegnungen»

Die Trägerschaft der Kampagne «Gartenjahr 2016 – Raum für Begegnungen» hat die Wichtigkeit des Erhalts und der Entwicklung von Freiräumen und Gärten erkannt und macht auf ihre zentrale Bedeutung für eine qualitätsvolle Verdichtung aufmerksam. Anhand vielfältiger Veranstaltungen, die noch bis Ende 2016 an verschiedenen Orten der Schweiz stattfinden werden, soll die breite Öffentlichkeit und die Fachwelt für die Bedeutung der Freiräume in urbanen Räumen sensibilisiert sowie Handlungsoptionen aufzeigt werden. Unter anderem werden Vorträge, Führungen, Podiumsdiskussionen und Lesungen angeboten. Einen Überblick zu den kommenden Veranstaltungen finden Sie hier.

Zukunftsblick Metropolitankonferenz Zürich

Die Entwicklung in den letzten Jahren hat gezeigt, dass sich die Nutzung der Naherholungsräume intensiviert. Die Herausforderung ist dabei sowohl eine quantitative wie auch eine qualitative. Zum einen sind entsprechende Flächen knapp und in Konkurrenz mit weiteren Nutzungen, zum anderen steigen die unterschiedlichen Ansprüche an Ausstattung, Qualität und Nutzungsmöglichkeiten. Mit dem Projekt «Siedlungsnahes Freiraumnetz» hat die Metropolitankonferenz Zürich einen anschaulichen Leitfaden erarbeitet, der aufzeigt, wie siedlungsnahe Freiräume im Metropolitanraum gesichert und aufgewertet werden können. Den Kantonen und Gemeinden werden mögliche Umsetzungswege sowie gute Beispiele bestehender Freiraumkonzepte aufgezeigt. Ziel des Leitfadens ist es, die politischen Entscheidungsträger und Verwaltungen der Kantone, Regionen und Gemeinden des Metropolitanraumes auf das Thema aufmerksam zu machen und dazu anzuregen, sich verstärkt für die Sicherung und Entwicklung von siedlungsnahen Freiräume einzusetzen. Beispiele wie der Agglomerationspark Limmattal und das «Gartenjahr 2016» zeigen zukunftsweisend auf, in welche Richtung es mit der Umsetzung geht.

Gastbeitrag von Christian Leisi, Amt für Raumentwicklung des Kantons Zürich

September 2016