«Wir müssen Freiräume sichern, bevor sie alle überbaut sind»

Die Verfügbarkeit von siedlungsnahen Erholungsräumen trägt entscheidend zur Lebensqualität im Metropolitanraum Zürich bei. Angesichts des steigenden Siedlungsdrucks müssen diese Räume gezielt gesichert und aufgewertet werden. Wie dies geschehen kann, zeigt das Projekt Siedlungsnahes Freiraumnetz, das im Frühjahr/Sommer 2014 abgeschlossen wird. Das Projekt soll eine Übersicht über wichtige siedlungsnahe Freiräume im Metropolitanraum Zürich geben und aufzeigen, welche Möglichkeiten zur Aufwertung es gibt. Zudem werden verschiedene gute Beispiele bereits bestehender Naherholungsräume aufgeführt mit dem Ziel, Gemeinden oder Kantone zur Umsetzung eigener Projekte anzuregen. Der Projektleiter Christian Leisi vom Amt für Raumentwicklung des Kantons Zürich über die Hintergründe des Projektes und erste Erkenntnisse:

Herr Leisi, wodurch zeichnet sich ein siedlungsnaher Freiraum aus?
Damit sind Erholungsgebiete am Siedlungsrand gemeint, für die man nicht ins Auto steigen muss, um dahin zu gelangen, sondern die man vom Wohngebiet her schnell und unkompliziert erreicht. Es sind landschaftlich attraktive Räume, in welchen man zum Beispiel mit dem Hund spazieren gehen oder Sport treiben möchte. Grünflächen innerhalb von Siedlungen, also etwa ein Stadtpark, sind von dieser Definition ausgenommen.

Weshalb braucht es dieses Projekt?
Dem Metropolitanraum Zürich steht gemäss Prognosen bis 2030 ein grosses Bevölkerungswachstum bevor. Der Siedlungsdruck wird vor allem in den Stadt- und Agglomerationsgebieten des Metropolitanraums Zürich stark zunehmen. Deshalb ist es wichtig, dass man in diesen Gebieten rechtzeitig Flächen sichert, die als Erholungsräume dienen können. Zuerst müssen die Flächen gesichert und nicht überbaut werden. In einem nächsten Schritt sollen sie für die Erholung aufgewertet werden, wobei die Gemeinden dabei schrittweise vorgehen können.

Welche Aufwertungsmöglichkeiten gibt es für solche Freiräume?
Das können kleine Massnahmen sein wie die Installation einer Sitzmöglichkeit oder das Anlegen eines Blumenbeetes zum Selberpflücken. Möglich sind aber auch umfassendere Massnahmen wie etwa der Bau einer neuen Wegverbindung zwischen einer Siedlung und einem Freiraum, die Pflanzung einer Allee entlang eines Weges oder das Anlegen von Pflanzgärten für die Bevölkerung. Wichtig ist, dass diese Massnahmen nicht zwingend alle zusammen umgesetzt werden müssen, sondern dass dies etappenweise erfolgen kann.

Sie haben die Aufwertungsmöglichkeiten anhand dreier Modellräume erarbeitet. Nach welchen Kriterien haben Sie diese Modellräume ausgewählt?
Wir haben drei Räume gewählt, die unterschiedlich starkem Siedlungsdruck ausgesetzt sind. Im Raum Cham-Rotkreuz gibt es noch viele Freiflächen, die aber zunehmend unter Druck geraten könnten. Im Raum Baden/Brugg ist die Besiedelung bereits weiter fortgeschritten. Und mit dem Raum Dietikon/Altstetten im Limmattal haben wir ein Gebiet untersucht, das schon sehr stark besiedelt ist. Die drei Räume sind repräsentativ für den ganzen Metropolitanraum Zürich. Anhand der Modellräume haben wir für die siedlungsnahe Erholung wichtige Freiraumtypen ermittelt. Für einzelne Flächen dieser Modellräume wurde in Form von Skizzen beispielhaft aufgezeigt, mit welchen konkreten Massnahmen eine Aufwertung erfolgen kann.

Wie profitieren andere Gemeinden oder Regionen davon?
Unser Ziel ist es, die Gemeinden «gluschtig» zu machen. Wir wollen ihnen aufzeigen, was alles möglich ist. Gemeinden sollen sagen: «Wir haben auch eine solche Fläche, das könnten wir hier bei uns auch umsetzen.»

Wie profitiert der Metropolitanraum Zürich von diesem Projekt?
Der Metropolitanraum Zürich wird attraktiver als Raum für Erholung. Dies hat Auswirkungen weit über den Metropolitanraum hinaus: Gut erreichbare und attraktive Freiräume, die nahe bei Wohngebieten liegen, führen dazu, dass weniger Leute mit dem Auto in weiter entfernte Erholungsräume fahren. Damit trägt das Projekt auch zur Minderung des Verkehrsproblems bei. Die Metropolitankonferenz leistet mit diesem Projekt einen Beitrag zur Diskussion eines sehr aktuellen Themas.

Interview: Barbara Kieser/November 2013