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2. Metropolitan-Tag

 

Stimmungsbericht

Am 22. November 2019 fand der zweite Metropolitan-Tag unter dem Motto «Mit neuen (Gesundheits)-Modellen die Peripherie stärken» statt. Rund 100 VertreterInnen aus Politik, Wirtschaft und dem Gesundheitswesen kamen im Gesundheitscluster Lengg in Zürich zusammen. In verschiedenen Panels diskutierten PositionsbezügerInnen unter anderem über die Zentrums-Überversorgung und Peripherie-Unterversorgung, über Anreiz- und Finanzierungssysteme und über Kooperationen mit privaten und öffentlichen Partnern. Ziel des Anlasses war, für diese Themen zu sensibilisieren und gemeinsam Lösungsmodelle zu entwickeln.

Die Zürcher Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh hiess die Gäste als Vizepräsidentin der Metropolitankonferenz Zürich willkommen. Sie zeigte die Wichtigkeit des Gesundheitswesens für den Metropolitanraum auf, konkret deren volkswirtschaftliche Bedeutung, speziell im Bereich Life Science, und deren breite regionale Abstützung im Bereich Bildung.
Das Grusswort kam von Gastgeber Prof. Dr. Mazda Farshad, dem medizinischen Spitaldirektor der Universitätsklinik Balgrist. Er stellte das Gesundheitscluster Lengg als eines der grössten Medical Hubs europaweit vor und erklärte, dass auch in der Evolution der Medizin das Zusammenführen von Kräften ausschlaggebend sei.

Graubünden und Basel-Stadt im Vergleich
In einem ersten Panel standen sich Nicola Katharina Kull, Departementssekretärin Gesundheitsdepartement Kanton Graubünden, und Thomas von Allmen, Leiter Spitalversorgung Gesundheitsdepartement Kanton Basel-Stadt, zum Thema Die Mär von der Zentrums-Überversorgung und Peripherie-Unterversorgung gegenüber.
In Basel-Stadt gäbe es eindeutig eine Zentrums-Überversorgung, ist sich von Allmen sicher. Um diese zu senken, brauche es viel Überzeugungsarbeit und die Beteiligung aller. Die Schwierigkeit liege darin, dass jemand dafür etwas aufgeben müsse. Ein Lösungsansatz für die Reduktion ist Thomas von Allmens Meinung nach eine jährliche Koordinationskonferenz mit verschiedensten Stakeholdern.
Im Kanton Graubünden sei eine breite dezentrale Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung elementar, bestätigte Kull. Gründe dafür seien der demografische Wandel und die geografischen Gegebenheiten. Frau Kull meinte, dafür sei ein Gesundheitsversorgungszentrum um Regionalspitäler herum der richtige Ansatz.

Ersetzt die Migros bald Spitäler in der Schweiz?
Martin Waser, Präsident des Spitalrats des Universitätsspital Zürich (USZ) und Marcel Napierala, CEO Medbase Gruppe, diskutierten über die Zunahme der ambulanten Versorgung. Diese zeige sich als viel patientenfreundlicher und kostengünstiger. Hier könne man Kosten latent senken. Die Migros könne die gleiche Qualität erbringen, wenn das Knowhow der Medizin integriert wird. Dadurch würden zusätzlich neue moderne Zentren entstehen. Es brauche dafür jedoch die Kooperation zwischen Universitäts- und Regionalspitälern.

Einblick in Forschung, Entwicklung und Lehre für Spitzenmedizin
Martin Vollenwyder gab als Präsident Eleonorenstiftung Kinderspital Zürich mit viel Humor und Ironie Anekdotisches und Architektonisches zum neuen Kinderspital zum Besten. Auch er betonte die Notwendigkeit einer Umstellung auf eine dezentrale Strategie.

Während der Mittagspause wurden die Gäste durch das hochmoderne Forschungs- und Entwicklungszentrum Balgrist Campus geführt. Die vier Gruppen – eine davon von keinem Geringeren als dem langjährigen ärztlichen Direktor und Initiant des Zentrums, Prof. Christian Gerber, geleitet, zeigten sich sehr beeindruckt. Sie erhielten unter anderem Einblick in die Funktionsweise des schweizweit ersten 7-Tesla-MRI.

Einbezug der älteren Generation
Am Nachmittag thematisierten Prof. Dr. Jürgen Stremlow, Leiter Kompetenzzentrum Sozialmanagement und -politik Hochschule Luzern, und Markus Reck, Chief Public Affairs Officer Senevita AG & Spitex für Stadt und Land AG, zusammen innovative (Gesundheits)-Initiativen für Seniorinnen und Senioren.
80% der Betreuung im Alter werden immer noch vom persönlichen Umfeld erbracht. Eine Möglichkeit, die Altersbetreuung zu verstaatlichen, wären Caring Communities. Dafür sei die Koordination und Einbindung aller relevanten Akteure erforderlich. Selbsthilfeorganisationen, neutrale Beratungsstellen sowie VermittlerInnen mit viel Wissen über das Gesundheitsangebot in der Nähe wären hilfreich. Zudem solle die ältere Bevölkerung in der Alterspolitik einer Stadt systematisch einbezogen werden. Betont wurde eine interkommunale Zusammenarbeit zwischen Gemeinden.

Unfaire Behandlung
Dr. Werner Widmer, Stiftungsdirektor Stiftung Diakoniewerk Neumünster, und Anna Sax, Leiterin Gesundheitsamt Departement des Innern Kanton Schaffhausen, debattierten über Gleiche Leistung – ungleiche Kosten in den Regionen.
Werner Widmer bemerkte, dass Fehlanreize durch politisch festgelegte Rahmenbedingungen aufgehoben werden müssen, sodass Akteure über genügend finanzielle Mittel verfügten. Anna Sax betonte ebenfalls, es brauche die aktive Förderung einer integrierten Versorgung und eine Investition in die Koordination zwischen Leistungserbringern. Zudem betont sie, dass Spitäler auch wichtig für die Ausbildung von Fachkräften sind.
Aus dem Publikum wurde eingeworfen, dass gerade ein funktionaler Raum wie die Metropolitankonferenz geeignet wäre, um über territoriale Grenzen hinweg die Gesundheitsversorgung besser zu koordinieren.

Das Schlusswort gehörte Michael Künzle, Präsident der Metropolitankonferenz Zürich. Er bedankte sich für den erkenntnisreichen Tag und freute sich über die Anwesenheit von VertreterInnen aus dem ganzen Metropolitanraum. Als Lösungsansatz für eine gute und nahe Versorgung der Bevölkerung betonte er nochmals die Zusammenarbeit mit privaten Institutionen und öffentlichen Organisationen und das Zusammenlegen von Kräften. Dies sei auch das Motto der Metropolitankonferenz Zürich. Für die Umsetzung der vorgeschlagenen Lösungsansätze müssen die notwenigen Gelder gesprochen werden. Die Metropolitankonferenz ist eine ideale Plattform, um EntscheidungsträgerInnen die Relevanz dieser Themen aufzuzeigen.