Der Oeco-Calculator hat die 1000er Marke geknackt

An der letzten Herbstkonferenz konnte das länderübergreifende Projekt CABEE (Capitalizing Alpine Building Evaluation Experience) mit der Lancierung eines Oeco-Calculators abgeschlossen werden. Seither verschafft der Online-Selbstcheck Transparenz im Hinblick auf das eigene Nutzerverhalten. Viele Mitglieder der Metropolitankonferenz Zürich haben den Oeco-Calculator auf ihrer Webseite verlinkt und dazu aufgerufen, den Online-Selbstcheck auszufüllen. Erst kürzlich wurde die 1000er Marke geknackt. Das heisst, mehr als tausend Personen im Metropolitanraum Zürich haben mittlerweile ihr Nutzerverhalten getestet.

Der Projektleiter und Innvationscoach am ITZ, Daniel Portmann, hat die erhobenen Daten im Detail ausgewertet und ist speziell auf die Unterschiede zwischen Stadt, Land und Agglomeration eingegangen.

Mobilität hat das grösste Nachspiel für die Erde

Wie viele Erdkugeln verbraucht werden, ist nicht bloss vom Geschlecht, Alter und Bildungsgrad abhängig, sondern vorwiegend vom Wohnort. Während BewohnerInnen der Stadt und auf dem Land ähnlich viele Erden verbrauchen, haben Menschen, die in der Agglomeration leben, einen 10% höheren Verbrauch. Der Grund dafür ist der 30% höhere Ressourcenverbrauch durch das Mobilitätsverhalten. Personen, die in der Agglomeration leben, verbrauchen knapp doppelt so viele Ressourcen mit dem Autofahren als Städter. Des Weiteren verbrauchen sie durch die hohe Anzahl an Flugzeugreisen ein Drittel mehr als die, die auf dem Land leben. Insgesamt benötigt die Agglomeration zwei Erdkugeln an Ressourcen – 10% mehr als die anderen Regionen. Stadt und Land haben zwar einen nahezu identischen Verbrauch, unterscheiden sich aber darin, dass Personen vom Land doppelt so viel Auto fahren als die Städter. Dafür fliegen sie viel weniger. Fliegen benötigt in der Agglomeration und in der Stadt den grössten Ressourcenanteil im Vergleich zu den anderen Verkehrsmitteln. Nur auf dem Land ist der Verbrauch durch das Autofahren noch höher als durch Flugzeuge.

Wie der Lebensstil Ressourcen verbraucht

Unterschiede zwischen der Stadt, der Agglomeration und dem Land sind zudem klar erkennbar in den Bereichen Ernährung, Reisen und Freizeit. Tierische Produkte (Fleisch, Fisch und Milchprodukte) werden in den Städten am wenigsten konsumiert. Die Stadtbewohner verbrauchen mit ihrem Konsum knapp einen Viertel einer Erde. Im Gegensatz zum Land, wo es wegen des Fleisch- und Fischverzehrs einen 17.66% höheren Ressourcenverbrauch gibt.

Da die Landbevölkerung vergleichsweise weniger reist, ist ihr Ressourcenverbrauch durch die Nutzung von Hotels und Ferienwohnungen am geringsten. Deutlich höher liegt der Verbrauch bei Personen, die in Agglomerationen und in Städten leben. Hier ist der Ressourcenverbrauch bis zu 25.3% höher als auf dem Land. Ebenfalls einen extremen Unterschied zeigt sich bei der Frage nach Besuchen von Veranstaltungen. Agglomerationsbewohner nutzen 0.1 Erden durch Besuche – um 26.72% höher ist der Verbrauch bei Personen, die in der Stadt leben.

Der Oeco-Calculator schafft Bewusstsein

Im Fokus des Oeco-Calculators steht die Bewusstseinsschaffung über das eigene Nutzerverhalten. Teilnehmende können herausfinden, ob ihre Selbsteinschätzung mit ihrem eigentlichen Ressourcenverbrauch übereinstimmt. Der Schätzwert und die Realität liegen dabei weit auseinander: In den extremsten Fällen ist der Verbrauch bis zu 55 Mal kleiner als geschätzt oder sogar 208 Mal grösser als vermutet.

Bei der Auswertung ist aufgefallen, dass die Selbsteinschätzung von Herr und Frau Schweizer in den Bereichen nachhaltiges Wohnen und schonungsvolle Nutzung elektronischer Geräte mit dem eigentlichen Verhalten grundsätzlich übereinstimmt. Die Bilanz fällt hier positiv aus. Geht es jedoch um Mobilität, Ernährung, Reisen und Freizeit, liegen die Teilnehmenden weit von ihrer Idealvorstellung entfernt. Es sind also genau die Themen, die den Lebensstil einer Person ausmachen und ihre Angewohnheiten betreffen. Und Gewohnheiten sind bekanntlich nur schwer umzustellen.

Mobilität gehört zu den ressourcenintensivsten Bereichen: Während Strom im Extremfall einen Drittel der Erde verbrauchen kann, verschlingt Mobilität bis zu 3.5 Erden. Daniel Portmann meint dazu: «Hier muss sich die Politik überlegen, ob es richtig ist, die Energiekampagnen vor allem auf Stromverbrauch und Wohnen zu fokussieren, wie dies momentan der Fall ist und die Mobilität auszublenden!»

Der Oeco-Calculator deckt den Unterschied zwischen Vorstellung und Realität auf und ermöglicht den Teilnehmern sich über ihr eigenes Nutzerverhalten bewusst zu werden. Mit dieser aufklärerischen Eigenschaft ist der Oeco-Calculator eine gute Hilfestellung um Bürger und Bürgerinnen zu einem ressourcenschonendem Leben zu motivieren.

Falls Sie also den Oeco-Calculator-Link www.mein-verbrauch.ch auf Ihren sozialen Medien sowie auf Ihrer Webseite noch nicht geteilt haben, dann tun Sie das jetzt! Damit unterstützen Sie nicht nur die Verbreitung des Oeco-Calculators, sondern können in Ihrer Gemeinde und in Ihrem Umfeld mehr Bewusstsein für das eigene Energieverhalten und den -verbrauch schaffen.

Lena Schüpbach, März 2018