Mit Best Practice energieeffizient bauen und wohnen

Daniel Portmann, Geschäftsführer ITZ InnovationsTransfer Zentralschweiz

Vor vier Jahren gründete die Metropolitankonferenz eine Clusteragentur mit dem Ziel, sich aktiv für die Förderung des Bereichs Energie- und Gebäudetechnik im Metropolitanraum Zürich einzusetzen. Ihr Potenzial konnte die Agentur nicht entfalten – hat jetzt aber mit der Beteiligung am Interreg-Projekt CABEE eine vielversprechende Fortsetzung des Projekts gefunden. Ein Interview mit dem Projektleiter Daniel Portmann von ITZ InnovationsTransfer Zentralschweiz.

Herr Portmann, das Angebot der Clusteragentur fand wenig Resonanz im Metropolitanraum Zürich. Weshalb?

Das hat verschiedene Gründe. Zum einen entstanden kurz nach der Gründung der Clusteragentur verschiedene kantonale und nationale Initiativen in diesem Bereich, die finanziell deutlich besser ausgestattet waren als wir. Dadurch kam die nötige Verankerung im Metropolitanraum nicht zustande. Zum anderen scheiterte unser Antrag zur Errichtung eines Nationalen Thematischen Netzwerkes (NTN) «Energie- und Ressourcenoptimierung am und im Gebäude» bei der nationalen Förderagentur für Innovation KTI. Hauptsache ist aber, dass die Unternehmen und Gemeinden im Metropolitanraum Unterstützung im Bereich Energie- und Gebäudetechnik bekommen. Dies geschieht nun nicht wie vorgesehen durch die Clusteragentur, sondern eben durch den Bund oder durch die Kantone.

Die Projektleitung hat die Konsequenz gezogen und die Arbeit der Clusteragentur beendet.

Genau, per Ende 2014 haben wir die generellen Tätigkeiten der Clusteragentur eingestellt. Wir haben aber gleichzeitig in Gesprächen mit verschiedenen Experten erkannt, dass es Themen der Energie- und Gebäudetechnik gibt, die trotz der Aktivitäten dieser vielen neuen Player noch nicht abgedeckt sind. Zwei Fragen verfolgen wir nun im Rahmen des alpenweiten Interreg-Projekts CABEE (Capitalizing Alpine Building Evaluation Experience) zur Förderung von Nullemissionsgebäuden weiter: die des Nutzerverhaltens und des Bauprozesses bei nachhaltig geplanten Gebäuden.

Können Sie das ausführen?

Beim Nutzerverhalten geht es um die Frage, wie man Mieter oder Eigentümer dazu bringt, dass sie energieeffiziente Gebäude einfordern oder bauen. Und wenn sie dann in einem solchen Gebäude wohnen, wie man sie dazu bringt, dass sie sich dem Gebäude entsprechend verhalten, also etwa nicht die ganze Energieeffizienz durch ein tägliches Vollbad wieder zunichtemachen. Zweitens untersuchen wir den Bauprozess. Dieser ist bei einem nachhaltig geplanten Gebäude nämlich anders zu gestalten als bei einem Standardgebäude.

Wie verhindern Sie, dass Ihre Erkenntnisse als Papiertiger enden?

Grundsätzlich geht es genau darum, die im Rahmen von CABEE bisher erarbeiteten theoretischen Erkenntnisse aus der Forschung für die Praxis zu «übersetzen». Das wollen wir nämlich unbedingt verhindern, dass wir am Schluss einen zwar schönen, aber schubladisierten Forschungsbericht haben.

In beiden von uns untersuchten Fragen ist deshalb das Ziel, Guidelines für Eigentümer, Nutzer, Bauherren und Behördenmitglieder zu erarbeiten. Hierfür werden wir in Kooperation mit dem Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) verschiedene vorbildliche Pilotprojekte aus dem Metropolitanraum Zürich untersuchen und auswerten. Diese werden als Best Practice für Interessenten aus dem ganzen Metropolitanraum aufbereitet und vorgestellt.

Wann erwarten Sie erste Resultate?

Die Forschungsergebnisse von CABEE liegen im Herbst vor. Momentan suchen wir geeignete Pilotprojekte. Die Guidelines werden wir voraussichtlich Ende 2016 erarbeitet haben.

Über CABEE
CABEE (Capitalizing Alpine Building Evaluation Experience) ist ein vom ARE und von der EU bewilligtes Interreg-IV-B-Projekt. Interreg IV B will die transnationale Zusammenarbeit der Teilnehmerstaaten und ihrer Städte und Regionen im Bereich der Raumentwicklung in grösseren europäischen Räumen fördern. Das konkrete Projekt CABEE will die Umsetzung von Nullemissionsgebäuden der öffentlichen Hand, im privaten Sektor sowie in Gewerbe und Industrie fördern und somit einen wesentlichen Beitrag zu den klimapolitischen Zielsetzungen der beteiligten Länder leisten. Beteiligt sind die Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Slowenien sowie Teile Deutschlands, Frankreichs und Italiens.

Weitere Informationen: www.cabee.euwww.alpine-space.eu

 

Interview: Barbara Kieser/Mai 2015