«Der Metropolitanraum Zürich kann von der Attraktivität des spezialisierten Wissenschaftsstandortes Luzern profitieren.»

Portrait Reto Wyss
Interview mit Reto Wyss, Bildungsdirektor Universität Luzern

Herr Wyss, Luzern verspricht sich von der neuen Wirtschaftsfakultät die Chance auf einen „Cluster Wirtschaft“. Unter Clusterbildung wird die Vernetzung von Unternehmen sowie Forschungs- und Bildungsinstitutionen verstanden. Wie soll das im Cluster Luzern konkret aussehen?Wir streben eine Vernetzung unserer beiden Hochschulen, der Universität und der Hochschule Luzern, an. Daraus werden sich viele Synergien ergeben. Wir glauben, dass mit der Einrichtung einer Wirtschaftsfakultät an der Universität Luzern die Stärken der Fachhochschule Luzern in diesem Bereich akzentuiert werden können. 

Was qualifiziert Luzern für einen Wirtschafts-Cluster?
Das Angebot der bestehenden Fakultäten wird ideal ergänzt durch eine Wirtschaftsfakultät. Die Universität Luzern hat sich spezialisiert auf Fragen unserer Gesellschaft rund um Themen wie Politik, Religion, Recht. Die Perspektive der wirtschaftlichen Betrachtung von Problemen gehört zwingend zu diesem Kompetenzfeld.

Wie kann der Metropolitanraum Zürich von einem Luzerner Wirtschafts-Cluster profitieren?
Im Kanton Zürich ist das Bildungsangebot im Bereich Wirtschaft bereits umfassend abgedeckt. Wir sind aber überzeugt, dass eine stärkere Vernetzung der Luzerner Bildungsinstitutionen in die gesamte Zentralschweiz, also auch in die Metropolitankantone Zug und Schwyz, ausstrahlen wird. Rund 1'200 Studierende aus der Zentralschweiz studieren aktuell an einer Schweizer Universität ausserhalb des Kantons Luzern Wirtschaft. Unser Ziel ist es, ungefähr die Hälfte davon „zu Hause “ behalten zu können, und damit den Braindrain zu stoppen. Die Zentralschweiz hat grossen Bedarf an Fachkräften. Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir die Attraktivität der Bildungslandschaft Luzern steigern.

Ich glaube aber auch, dass die Universität Luzern mit ihrem thematischen Fokus eine interessante Partnerin für bestimmte Projekte und Forschungvorhaben  im Metropolitanraum sein kann. Und nicht zuletzt kann der Metropolitanraum von der Attraktivität des Kultur- und spezialisierten Wissenschaftsstandortes Luzern profitieren.

Standortförderung ist der Metropolitankonferenz Zürich sehr wichtig. Wie kann die Metropolitankonferenz den Standort Luzern unterstützen?
Wir wünschen uns eine gute Kooperation mit den Hochschulen der anderen Metropolitankantone. Zudem wäre im politischen Prozess auf dem Weg hin zu der effektiven Einrichtung dieser Wirtschaftsfakultät (die Vorlage soll in der Mai-Session vom Kantonsrat behandelt werden) natürlich ideelle Unterstützung willkommen.


Interview: Barbara Kieser