So hält die Berufsbildung mit der Digitalisierung Schritt

Der Begriff der vierten industriellen Revolution ist in aller Munde. Doch wie die Digitalisierung koordiniert in Lehre und Berufsbildung umgesetzt werden soll, blieb bis anhin völlig unklar. Mit dem Projekt Digitalisierung in der Berufsbildung hat die Hochschule Luzern im Auftrag der Metropolitankonferenz Zürich nun entsprechende Handlungsempfehlungen entwickelt und stellt diese der Berufsbildungswelt auf einer interaktiven Plattform zur Verfügung. 

Die vierte industrielle Revolution durchdringt alle Lebensbereiche: Wirtschaft, Gesellschaft und Politik sind gleichermassen davon betroffen. Dabei gehen Chancen und Risiken für Mensch und Umwelt Hand in Hand. Ende 2016 wurde bekannt, dass die Schweizerische Post in den Bereichen Kommunikation, Finanzen und Personal die Kosten bis 2020 um 30 Prozent senken will. Zudem sollen 600 Poststellen angesichts der Automatisierung geschlossen werden. Stellenabbau und Lohnkürzungen sind die befürchteten Folgen davon. Letzten Herbst machten ausserdem die Ergebnisse zweier Studien die Runde, die der Kaufmännische Verband in Auftrag gegeben hatte: Die Digitalisierung wird die kaufmännischen Berufe in Zukunft umkrempeln – und mehrere KV-Jobs werden ins Ausland verlagert werden, so lautete das Fazit. Die Folge: In der Schweiz sind in den nächsten fünf bis zehn Jahren 30'000 bis 100'000 KV-Jobs gefährdet.

Berufsbilder sind betroffen

Diese Entwicklungen wirken sich also besonders auf die bestehenden Berufsbilder aus, vor allem auf die gewerblich-industriellen, gesundheitsbezogenen und kaufmännischen Berufe. Damit die Berufsbildung die Veränderungen in den Berufsbildern vorhersehen und die Digitalisierung in den inhaltlichen Weiterentwicklungen miteinbeziehen kann, ist ein koordinierter Austausch zwischen Berufsbildungsinstitutionen, Organisationen der Arbeitswelt (OdA) Fachhochschulen und Lehrbetrieben nötig. Dieses Bedürfnis hat die Hochschule Luzern frühzeitig erkannt. Im Auftrag der Metropolitankonferenz Zürich hat das Departement Informatik unter der Leitung von Prof. Markus Wyss entsprechende Handlungsempfehlungen entwickelt und der Berufsbildungswelt auf der Plattform www.berufsbildungdigital.ch zur Verfügung gestellt. So ist es erstmals möglich sich über die Digitalisierung in der Berufsbildung zu informieren und auszutauschen.

Handlungsempfehlungen

Im Rahmen des Projektes Digitalisierung in der Berufsbildung sind für rund 290 bestehende Berufsbilder die notwendigen digitalen Kompetenzen identifiziert worden – insgesamt konnten deren 23 festgelegt werden. Auf Basis von Gemeinsamkeiten wurden die Berufsbilder in zehn Cluster gebündelt.

Für den Konstrukteur EFZ und den Automatiker EFZ – die beide zum selben Cluster gehören – wurden unter anderem folgende Kompetenzen identifiziert: Interaktion über Technologien, Zusammenarbeit über die digitalen Kanäle, Sensorik, Internet of Things, Umgang mit fachspezifischen Technologien und Lösung technischer Probleme. Eine der konkreten Handlungsempfehlungen für den Automatiker lautet, dass ein Lernlabor für die praktische Vermittlung der Technologiekompetenz, u.a. Internet of Things, geschaffen werden soll. Alle Handlungsempfehlungen stehen der Berufsbildungswelt auf www.berufsbildungdigital.ch zur Verfügung.

Erfolgsmodell Schweizer Berufsbildungssystem

Das Projekt bietet ein handfestes Instrument, das die Berufsbildung auf ihrem Weg in die digitale Zukunft unterstützt. Dank der interaktiven Plattform www.berufsbildungdigital.ch werden zudem zum ersten Mal koordinierte Aktivitäten zwischen Lehre und Berufsbildung in der Schweiz ermöglicht. René Portenier, Rekor der KV Business School Zürich, lobt das Projekt: «Erstmals kommt etwas Brauchbares zum Thema Digitalisierung auf den Markt. Das Konzept besticht durch seinen Pragmatismus und durch seine Nähe zur Bildungswelt.»

Als bedeutendster Bildungsstandort der Schweiz liegt es im Interesse des Metropolitanraums Zürich im Besonderen aber auch der ganzen Schweiz im Allgemeinen, die Berufsbildung in Bezug auf die Digitalisierung auf den neusten Stand zu bringen. Mit dem Projekt Digitalisierung in der Berufsbildung leistet die Metropolitankonferenz Zürich einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung des Erfolgsmodells des Schweizer Berufsbildungssystems.

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Marie-Joëlle Eschmann, Dezember 2017