Kooperation und Wettbewerb im Geschäftstourismus

Der Metropolitanraum Zürich möchte sich als Region für den Geschäftstourismus positionieren. Ziel des Projekts ist es, die verschiedenen Anbieter entsprechender Dienstleistungen in der Region vom Nutzen einer verstärkten Zusammenarbeit zu überzeugen. Dank der Kooperation soll die Wertschöpfung des Geschäftstourismus im Metropolitanraum Zürich steigen. Projektleiter Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing Baden, zu den Hintergründen des Projekts.

Portrait Thomas Lütolf
Projektleiter Thomas Lütolf

Herr Lütolf, Sie möchten die verschiedenen Anbieter im Geschäftstourismus, also etwa Kongresszentren und Seminarhotels, zu einer verstärkten Zusammenarbeit motivieren. Weshalb?
Weil wir überzeugt sind, dass von einer verstärkten Kooperation alle profitieren, die einzelnen Anbieter ebenso wie der gesamte Metropolitanraum. Heute findet der kantonsübergreifende Austausch zwischen den verschiedenen MICE-Anbietern* im Metropolitanraum nur punktuell und eher zufällig statt. Wir sehen hier ein grosses Potenzial.

Wir sprechen hier von privaten Unternehmen, die in Konkurrenz zueinander stehen. Wieso sollten sie kooperieren?
Das Stichwort ist Coopetition, eine Mischung aus Kooperation und Wettbewerb. Auf dem Markt sind die verschiedenen Anbieter tatsächlich Konkurrenten. Aber wenn sie in gewissen Bereichen kooperieren, profitiert der Raum als Ganzes, woraus dann wieder jeder Einzelne einen Nutzen zieht. Geläufig ist Coopetition schon länger in der IT-Branche, wo die Unternehmen in schärfster Konkurrenz zueinander stehen, gleichzeitig sehr eng zusammenarbeiten und Informationen und Erfahrungen austauschen.

Wie könnte diese Coopetition im Geschäftstourismus im Metropolitanraum Zürich aussehen?
Ein Beispiel: Wenn ein Kongresszentrum eine Anfrage erhält, die es aus Kapazitätsgründen nicht wahrnehmen kann, könnte es die Anfrage an ein anderes Zentrum oder Hotel weiterleiten. Damit bleibt der Kunde in der Region, Zulieferer wie Caterer, Transporteure oder Technikanbieter profitieren und die Wertschöpfung insgesamt steigt vor Ort. Und beim nächsten Mal läuft es anders herum und das erste Kongresszentrum kann bei einem Engpass einspringen.

Mit dem Projekt möchten Sie diese Zusammenarbeit institutionalisieren.
Damit der Coopetition-Ansatz funktioniert, braucht es ein beständiges Netzwerk und gewisses Vertrauen untereinander. Wir wollen eine institutionelle Grundlage schaffen, damit sich die Anbieter aus dem Metropolitanraum Zürich regelmässig austauschen und im Wettbewerb mit anderen grösseren Tagungsregionen ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht. Wie dieses Netzwerk konkret aussehen soll, wird in den nächsten Monaten entschieden. Es stehen noch verschiedene Modelle zur Diskussion. Die Ideen reichen von einem eher informellen Beziehungsnetz mit zentraler Koordinationsstelle bis hin zu einem politisch legitimierten Gremium, das die Initiierung von zu unseren Branchenschwerpunkten passenden Tagungen unterstützen würde.

Weshalb setzen Sie dieses Projekt gerade im Metropolitanraum Zürich um?
Der Grossraum Zürich eignet sich aus verschiedenen Gründen. So weist er eine ausgeprägte Angebotsdichte auf. Er verfügt über eine sehr leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur zwischen den verschiedenen Teilräumen, was die Weiterleitung von Geschäftsanfragen begünstigt. Und die hohe Qualität und Dichte an Hochschulen und Forschungszentren als Quellen für Kongresse und Seminare sind einmalig.

Sie spiegeln die Projektfortschritte regelmässig in einer Echogruppe, die relevante Marktvertreter aus allen Kantonen umfasst, etwa das KKL, das Zürcher Kongresshaus oder das Trafo Baden. Wie fielen die bisherigen Reaktionen auf das Projekt aus?
Der Austausch mit der Echogruppe hat uns bestärkt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es besteht lebhaftes Interesse seitens der Vertreter der Anbieter. Dank diesem engen Einbezug möchten wir sicherstellen, dass sich für die Anbieter auch wirklich ein Nutzen aus dem Netzwerk ergibt.

Wie geht es nun weiter?
In den nächsten Monaten wird das Projektteam im Austausch mit der Echogruppe das Modell für die Netzwerkstruktur bestimmen. Für dieses erstellen wir eine Handlungsempfehlung mit Finanzierungsmöglichkeiten. Voraussichtlich im Juni 2016 werden wir das Projekt abschliessen.

*MICE ist eine Abkürzung, mit der jener Teil des geschäftlichen Tourismus bezeichnet wird, der die Organisation und Durchführung von Tagungen (Meetings), von Unternehmen veranstalteter Anreiz- und Belohnungsreisen (Incentives), Kongressen (Conventions) und ähnlichen Veranstaltungen und Ausstellungen (Events/Exhibitions) umfasst.

 

Das Projekt «Positionierung metropolitane Tourismusregion» wird als Modellvorhaben hälftig vom Bund mitfinanziert.

 

Dezember 2015