Von anderen lernen

Präsentation

Zur Eröffnung der Metropolitankonferenz vom 22. Mai 2015 wurde erstmals ein sogenanntes «Good Practice-Seminar» durchgeführt. Dabei stellten drei Referenten gelungene Beispiele zum Thema «Grenzübergreifende Zusammenarbeit» vor. Das neue Format soll zum festen Bestandteil der Metropolitankonferenzen werden und Kantonen und Gemeinden mit dem Austausch von «Good Practices» als Anregung dienen.

In der Kantonsschule Wettingen ging am vergangenen Freitag das erste Good Practice-Seminar als Eröffnung der Metropolitankonferenz Zürich über die Bühne. Im grossen Saal, in welchem am Morgen noch Wettinger Gymnasiasten über ihren Maturaprüfungen gebrütet hatten, präsentierten drei Referenten den rund 50 Teilnehmenden gelungene Beispiele grenzübergreifender Zusammenarbeit. Dietmar Lenz, Vertreter des Umweltverbands Vorarlberg, eröffnete das Seminar mit dem Beispiel der gemeindeübergreifenden Beschaffungsplattform ÖkoBeschaffungsService (ÖBS). Der ÖBS unterstützt die 96 im Umweltverband vereinten Gemeinden des Österreichischen Bundeslandes Vorarlberg bei der Beschaffung nachhaltiger Produkte. Der Service erstellt die Ausschreibungsunterlagen, wickelt das Vergabeverfahren ab und schliesst den Vertrag mit dem Bestbieter. Alle dem Verband angeschlossenen Gemeinden können schliesslich diesen Vertrag nutzen und von Kosteneinsparungen, reduziertem Zeitaufwand und höherer Rechtssicherheit profitieren. Trotz der anfänglichen Skepsis, dass regionale Aufträge verloren gehen würden, setzt der ÖBS heute 90 Prozent des Beschaffungsvolumens der Gemeinden im Bundesland Vorarlberg um – und dies mit denselben regionalen Anbietern wie zuvor.

«Zentraler Erfolgsfaktor für die erfolgreiche Umsetzung eines solchen Projekts ist der partizipative Ansatz», betonte Dietmar Lenz. So wurden alle Gemeinden von Beginn weg konsequent einbezogen. Gemeinden und Verbänden, die sich für die Einrichtung eines ähnlichen Services interessieren, empfiehlt er als Erstes eine geeignete externe Organisation zu finden, die einen engen Bezug zu den Gemeinden hat.

Zusammenarbeit als Paradigmenwechsel

Ein Projekt mit weitaus weniger Gemeinden – ihrer vier – stand im Zentrum des Referats von Sacha Peter, Leiter Raumplanung beim Amt für Raumentwicklung des Kanton Zürich. 75 Prozent der Menschen in der Schweiz leben in urbanen Räumen und auf diesen liegt das Hauptaugenmerk der räumlichen Entwicklung im Kanton Zürich. Die Region Uster-Volketswil ist ein solcher urbaner Raum und gehört zu den Schlüsselgebieten der Zürcher Raumplanung. Unter Federführung des Amts für Raumentwicklung haben die vier Gemeinden Uster, Volketswil, Schwerzenbach und Greifensee, die Regionen Glattal und Oberland, der Kanton Zürich und die zuständigen Verkehrsbetriebe gemeinsam einen Masterplan für diese Region entwickelt. Dieser zeigt auf, wie sich Siedlung, Landschaft und Verkehr in den nächsten 30 Jahren entwickeln sollen.

Der kooperative Ansatz signalisiere einen Paradigmenwechsel, sagte Sacha Peter und führte aus: «Früher arbeiteten die Gemeinden für sich und legten dem Kanton erst ganz zum Schluss einen fertigen Plan vor. Heute arbeiten wir von Beginn weg eng zusammen». Für die erfolgreiche Umsetzung einer grenzübergreifenden Gebietsplanung sei es überdies wichtig, dass Verbindlichkeit geschaffen würde. «Das ist das A und O für eine erfolgreiche Zusammenarbeit in diesem Rahmen». Im Fall des Masterplans Uster-Volketswil wurde die Verbindlichkeit mit einer von allen Projektpartnern unterzeichneten Absichtserklärung zur Umsetzung des Masterplans sichergestellt.

Behördenverbindlichkeit dank regionalem Sachplan

Auch im letzten Referat ging es um die grenzübergreifende Planung und Entwicklung eines Gebiets, allerdings um ein weit weniger urbanes: die Landschaftsspange Sulperg-Rüsler, ein gemeinsames Landschafts- und Naherholungsgebiet der Gastgebergemeinde Wettingen und ihrer Nachbargemeinden Neuenhof, Würenlos und Killwangen. Dominique Keulicht, Raumplanerin bei sapartners, und Markus Dieth, Gemeindepräsident von Wettingen, zeigten auf, wie die vier Gemeinden zusammen mit Regio Baden und dem Kanton Aargau den Naherholungsraum langfristig sichern und aufwerten wollen. Auch in diesem Projekt ist die Verbindlichkeit ein wichtiger Faktor: Ziele und Strategie der räumlichen Entwicklung wurden behördenverbindlich in einem regionalen Sachplan festgeschrieben.

Eine grosse Herausforderung sei die Finanzierung der gemeindeübergreifenden Projekte, erläuterte Markus Dieth. Im vorliegenden Fall hätten die vier Gemeinden beschlossen, einen gemeinsamen Fonds zu äufnen, um die Finanzierung besser planen zu können.

Gemeinsam geht es besser

Ob Beschaffungswesen, Verkehrsplanung oder Naherholungsräume, eines wurde klar am ersten Good Practice-Seminar der Metropolitankonferenz: Gemeinsam geht es besser. Und auch wenn die drei vorgestellten Projekte nicht für jeden Fall eine Patentlösung bieten, so geben sie doch gute Ideen für anstehende Herausforderungen.

Informationen zu den drei vorgestellten Projekten finden Sie in den Faktenblättern. Das nächste Good Practice-Seminar findet im Rahmen der Metropolitankonferenz am 27. November 2015 statt.

 

Marco Schwarzenbach/Mai 2015