Willkommenskultur der Stadt Luzern

Im Mai 2014 hat die Metropolitankonferenz Zürich den Bericht «Immigration und Bevölkerungswachstum im Metropolitanraum Zürich» publiziert. Der Bericht schlägt über 50 konkrete Handlungsmassnahmen vor, welche den Herausforderungen des immigrationsbedingten Bevölkerungswachstums entgegenwirken sollen. Die vorgeschlagenen Massnahmen decken die Bereiche Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Gesellschaft und Integration sowie Raum und Siedlung ab und können auf verschiedenen Ebenen – etwa auf kommunaler oder kantonaler Ebene oder auf derjenigen des Metropolitanraums – umgesetzt werden.

Die gemeinsame Umsetzung von Massnahmen auf Ebene der Metropolitankonferenz ist zurzeit noch in der Planungsphase. Einzelne Gemeinden und Kantone haben allerdings bereits vor geraumer Zeit Projekte ins Leben gerufen, welche den Herausforderungen immigrationsbedingten Bevölkerungswachstums begegnen.

So hat beispielsweise die Stadt Luzern vor rund 13 Jahren parallel zur Schaffung der Integrationsstelle die sogenannte Willkommenskultur eingeführt – eine Kultur, die alle öffentlichen Stellen leben sollen. Denn «wer willkommen ist, fühlt sich schneller wohl und übernimmt auch Mitverantwortung für das neue Lebensumfeld», ist man sich bei der Stadt Luzern einig. Um diesen Prozess voranzutreiben, organisiert die Integrationsstelle in regelmässigen Abständen Begrüssungsveranstaltungen für Neuzuziehende aus dem In- und Ausland und Feiern für Luzernerinnen und Luzerner, welche neu die Niederlassungsbewilligung erhalten haben.

«Wir brauchen Ihre Ressourcen und Fähigkeiten»

Die Begrüssungsveranstaltungen für Neuzuziehende sind jeweils sehr gut besucht und die Rückmeldungen zu den Feiern sind vorwiegend positiv. «Die Teilnehmenden schätzen sehr, dass wir lustvoll und persönlich kommunizieren und nicht problemorientiert», so Sibylle Stolz-Niederberger, Integrationsbeauftragte der Stadt Luzern. «Neuzugezogene aus dem In- und Ausland fühlen sich von uns wahr- und ernst genommen und spüren unsere positive Grundhaltung, die sich dann wiederum auf die Teilnehmenden überträgt.»
Auch Stadträtin Ursula Stämmer-Horst schätzt die gute Stimmung bei den Begrüssungsfeiern: «Mich beeindruckt immer wieder, welche Freude die Menschen haben, dass sie an einen solchen Anlass eingeladen werden. Selten erhalte ich als Politikerin so viele positive Rückmeldungen und Dankesworte.» Die gute Stimmung führt die Stadträtin nicht zuletzt auf das Gefühl zurück, angekommen zu sein. Es sei die direkte Begegnung mit den Behörden, die Wertschätzung und natürlich die Freude daran, nun in Luzern zu wohnen, die den Menschen gut tue.

Die Neuzuziehenden aus dem Ausland kennen zum Zeitpunkt der Begrüssungsveranstaltungen der Stadt Luzern bereits das kantonale Amt für Migration (AMIGRA), das alle kurz nach ihrer Ankunft zu einem Begrüssungsgespräch einlädt und ihnen Rechte und Pflichten erklärt. Eine weitere Anlaufstelle bietet die Fachstelle für die Beratung und Integration von Ausländerinnen und Ausländern (FABIA). Die FABIA informiert, berät, befähigt und vernetzt die Neuzuziehenden mit Migrationshintergrund während des gesamten Integrationsprozesses.

Die Niederlassungsfeier für Ausländerinnen und Ausländer beginnt mit einer Begrüssung durch einen Vertreter des Stadtrats. Im März des letzten Jahres übernahm dies Stadträtin Stämmer-Horst mit den Worten «Wir brauchen Sie und Ihre Ressourcen für unsere Gesellschaft. Ich bin überzeugt, dass Sie alle besondere Fähigkeiten haben, die wir in Luzern sehr gerne aufnehmen wollen.» Nach der Begrüssung finden verschiedene Workshops zu den Themen Sport, Kultur, Soziales und Quartierleben statt. Zudem erhalten die Teilnehmenden Inputs dazu, wie sie sich trotz fehlender Stimmberechtigung politisch engagieren können.

Eine Willkommenskultur, die wirkt

Mit dem umfassenden und vernetzten Informations- und Beratungsangebot im Rahmen der Willkommenskultur begegnen die Stadt und der Kanton Luzern den  immigrationsbedingten Herausforderungen, die der Bericht im Bereich Gesellschaft und Integration ausführt(vgl. Seiten 43–47 im Bericht):

Verlustängsten und Ausgrenzungsempfinden wird durch die Workshops zu den verschiedenen Themenbereichen (Sport, Kultur, Soziales und Quartierleben) vorgebeugt. Die Teilnehmenden erfahren in den Workshops, wo und wie sie sich und ihre Familie integrieren und engagieren können – sei es im Quartierleben oder in Sportvereinen.

Den Herausforderungen durch sich wandelnde Gesellschaftsstrukturen und Wandel im sozialen Engagement wirkt die Informationsarbeit von diversen von der Stadt unterstützten interkulturellen Organisationen und der FABIA entgegen. Letztere engagiert sich insbesondere für die Förderung des Zusammenlebens von einheimischer und ausländischer Wohnbevölkerung.

Inputs zum politischen Engagement, welches übrigens Einwohner mit Migrationshintergrund geben, fördert Partizipation auch ohne Stimm- und Wahlrecht.

Schliesslich trägt Luzern mit einer sehr breiten Ausrichtung der Integrationsarbeit der Heterogenität der zugezogenen Ausländerinnen und Ausländer Rechnung: Die Stadt vermittelt den Neuzugezogenen beispielsweise die wichtigsten Kurzinformationen in einem Dutzend verschiedener Sprachen.

Die Stadt Luzern ruht sich nicht aus auf den Lorbeeren der erfolgreichen Integrationsarbeit und ist stets bemüht um deren kontinuierliche Weiterentwicklung. Davon zeugt auch der neue zweisprachige (Deutsch und Englisch) Webauftritt mit einem Willkommensfilm im Rahmen der Willkommenskultur, der gemeinsam mit dem Migros-Kulturprozent umgesetzt wurde und Neuzuziehende in Luzern mit Audiofiles auf zwölf Sprachen begrüsst. Auch bei der Weiterentwicklung der Seite setzt die Stadt Luzern übrigens auf Vielfalt: Geprüft und optimiert wurde die Seite mit der Unterstützung von Freiwilligen mit und ohne Migrationshintergrund.

Oktober 2014/Ladina Härtli