Rückblick auf die Metropolitankonferenz 2026
Am 20. August 2026 fand im Au Premier im Zürcher Hauptbahnhof die Jahreskonferenz und Mitgliederversammlung der Metropolitankonferenz Zürich statt. Im Zentrum standen drei Themen: die Frage, wie innovationsfreundlich die Schweiz und der Metropolitanraum tatsächlich sind, der Startschuss für die vier neuen Projekte des vierten Kooperationsprogramms 2025 – 2028 sowie ein Führungswechsel im Präsidium und im Metropolitanrat.
Inhaltlicher Schwerpunkt der Konferenz war das Referat von PD Dr. Christian Marxt von der ETH Zürich zum Thema «Innovationsklima in der Schweiz – Illusion oder Realität?». Sein Fazit: Die Schweiz verfügt mit starker Forschung, hoher technologischer Kompetenz und einer ausgeprägten Nachhaltigkeitsorientierung über sehr gute Voraussetzungen. Handlungsbedarf stellt er vor allem bei der Umsetzung fest: Viele Schweizer Unternehmen blieben klein und wenig wachstumsorientiert, gleichzeitig sei die internationale Vernetzung der Forschung, etwa über das EU-Programm Horizon, in den letzten Jahren zeitweise geschwächt worden. Als zielführende Ansatzpunkte nannte er beispielsweise regulatorische «Sandbox»-Ansätze, etwa nach dem Vorbild der laufenden «Innovation-Sandbox für KI», die öffentliche Beschaffung als möglichen Innovationshebel sowie eine mutigere Fehlerkultur. Sein klares Fazit: «Schneller, effizienter, mutiger. Die Schweiz besetzt bereits Spitzenplätze in Innovationsrankings. Um diese zu sichern und weiter voranzukommen, müssen die Regulierungsdichte reduziert, die Bewilligungsverfahren beschleunigt und die Risikobereitschaft erhöht werden. Wir müssen noch gezielter Forschung fördern, die skaliert werden kann, sonst kann daraus kein dauerhafter Wohlstand entstehen.»
Passend dazu setzten sich die Teilnehmenden anschliessend in Breakout-Sessions mit den neuen Projekten des vierten Kooperationsprogramms 2025–2028 auseinander: «Zukunftsfähige Gewerbeflächen: dichter und bezahlbar», «Gesamtmobilität Schweiz», «Raumkompass» und «Zukunft Arbeitsplatzgebiete». Sie greifen zwei strategische Schwerpunkte des Vereins auf: die «Förderung von Pilotprojekten zur Frage der Nutzung knapper Ressourcen für den Wohn- und Siedlungsraum» und die «Förderung eines positiven Innovationsklimas». Die Diskussionsergebnisse der Kleingruppen fliessen nun direkt in die Weiterentwicklung der vier Projekte ein, die mit der Metropolitankonferenz in die Umsetzungsphase gestartet sind.
Durch die ordentlichen Vereinsgeschäfte führten der Präsident Marc Mächler und der Geschäftsführer Nico Lalli. Die Mitgliederversammlung genehmigte das Vereins- und das Projektbudget 2027 einstimmig, die Mitgliederbeiträge bleiben unverändert. Die Rechnung wurde, wie in den letzten fünfzehn Jahren, durch die Finanzkontrolle des Kantons Schaffhausen revidiert; die Mitglieder dankten den Schaffhauser Vertreter:innen herzlich für ihren langjährigen Einsatz. Ab dem Rechnungsjahr 2026 übernimmt neu die Finanzkontrolle der Stadt Winterthur diese Aufgabe.
Der zweite Teil der Veranstaltung stand im Zeichen mehrerer personeller Wechsel im Vereinspräsidium und im Metropolitanrat. Regierungsrat Dieter Egli, Vorsteher des Departements Volkswirtschaft und Inneres des Kantons Aargau, übernahm das Amt als neuer Vereinspräsident von Regierungsrat Marc Mächler, Kanton St. Gallen. Marc Mächler hatte seit 2023 zuerst das Vizepräsidium, ab 2025 das Präsidium inne. Er bleibt weiterhin als Mitglied des Metropolitanrates im Verein aktiv. Jörg Kündig, ehemaliger Gemeindepräsident von Gossau, übergab das Vizepräsidium an Claudio Bernold, Stadtpräsident von Frauenfeld und bisheriges Mitglied des Metropolitanrates.
Der neue Präsident Dieter Egli betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit über politische Grenzen hinweg: «Ich freue mich sehr über das Vertrauen und darauf, die Metropolitankonferenz Zürich künftig als Präsident mitzugestalten. Der Metropolitanraum ist ein Raum, dem man ungefragt dazugehört – gemeinsam diskutieren und sich Gedanken machen, wie wir uns zusammen zu kantonsübergreifenden Themen äussern, ist wichtig und richtig». Er ist selbst ein Kind der Metropolitanregion Zürich: Wurzeln aus Luzern und Winterthur und im Aargau aufgewachsen und wohnhaft. Er freut sich, als Präsident gemeinsame Herausforderungen anzugehen und die Zukunft unseres Lebens- und Wirtschaftsraums zu gestalten.
Auch der Metropolitanrat wurde teilweise neu gewählt: Raphael Golta, Stadtpräsident von Zürich, Stefan Fritschi, Stadtpräsident von Winterthur, und Monika Keller, Präsidentin des Verbands der Zürcher Gemeindepräsidien und Gemeindepräsidentin von Greifensee folgen auf die ehemalige Zürcher Stadtpräsidentin und Gründungsmitglied Corine Mauch, den ehemaligen Winterthurer Stadtpräsidenten Michael Künzle und Jörg Kündig, den ehemaligen Gemeindepräsidenten von Gossau, welchen ganz herzlich für ihren langjährigen Einsatz gedankt wurde. Marc Mächler hob dabei insbesondere die aussergewöhnlich hohe Präsenz und das langjährige Engagement in den Vereinsgremien hervor.
In ihrem Rückblick erinnerte sich Corine Mauch daran, dass ihr erster Arbeitstag als Stadtpräsidentin Anfang 2009 sie nach Frauenfeld geführt habe, wo die Metropolitankonferenz gegründet wurde. Die Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Kantonen, Städten und Gemeinden sei am Anfang, etwa im Zürcher Gemeindeparlament, auf Widerstand gestossen, weil eine «vierte Staatsebene» befürchtet wurde. Heute sei das kein Thema mehr, im Gegenteil. Die Zusammenarbeit im funktionalen Raum werde heute breit anerkannt. Gerade die Fähigkeit, sich auf gemeinsame statt auf blosse Einzelinteressen zu konzentrieren, mache die Stärke des Verbunds aus. Sie bedankte sich beim Metropolitanrat und bei der Geschäftsstelle für die Zusammenarbeit an diesem spannenden, wichtigen und auch erfüllenden Pionierprojekt.
Auch Jörg Kündig blickte an der Konferenz zum Abschied auf sein langjähriges Engagement im Metropolitanrat zurück. Er habe viele spannende Projekte miterlebt und einzelne davon eng begleitet. Für die Zukunft sei ihm besonders wichtig, dass die Gemeinden im Präsidium und im Metropolitanrat weiterhin vertreten seien; mit Monika Keller als neuem Mitglied des Metropolitanrates sehe er dafür eine gute Nachfolgelösung. Als nächster gemeinsamer Termin verweist er mit einem Augenzwinkern auf den «Tag der Gemeinden» an der Olma in St. Gallen im Oktober, wo bestimmt auch der abtretende Präsident, Marc Mächler, anzutreffen sei.
Mit Claudio Bernold als neuem Vizepräsidenten schliesst sich zugleich ein Kreis: 2009 war die Metropolitankonferenz in Frauenfeld unter dem damaligen Stadtpräsidenten Anders Stokholm mitbegründet worden.
Zum Abschluss dankte Geschäftsführer Nico Lalli den Vertreterinnen und Vertretern der Mitglieder für die konstruktive Zusammenarbeit im Metropolitanraum und das grosse Engagement. Nicht immer gleicher Meinung zu sein, sei dabei kein Hindernis, sondern Teil der Stärke: Entscheidend sei, über politische und institutionelle Grenzen hinweg gemeinsame Interessen zu erkennen und gemeinsam voranzubringen.
Die nächste Metropolitankonferenz findet im Spätsommer 2027 statt; der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Für die Mitglieder bietet sie dann erneut die Gelegenheit, den persönlichen Austausch zu pflegen, Debatten aus erster Hand zu verfolgen, sich einzubringen und den Metropolitanraum gemeinsam weiterzuentwickeln.
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